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Vor fast genau drei Wochen begann in Österreich und der Schweiz die Fußballeuropameisterschaft 2008. Auf der selbst ausgerufenen „Bergtour“ der deutschen Nationalmannschaft, steht der Gipfelsturm nach so manchem Höhenkoller, noch aus. Am Sonntag wird mit Spanien um die europäische Fußballkrone gerungen und das ganze Land wird vor den Fernsehern oder beim neuen Volkssport „Rudelgucken“ mitfiebern.
Doch egal wie das Ergebnis dieses „Gipfeltreffens“ ausfallen wird, Deutschland lebt das schwarz-rot-goldene Sommermärchen und zeigt seine Verbundenheit zur eigenen Elf wo es nur eben geht. Ob mit Autofähnchen, gehissten Bundesfahnen an den Häusern, oder modischen schwarz – rot – goldenen Modeassecoirs für die Damen. So scheint es auch wenig überraschend, das so mancher Beobachter aus dem Ausland, über die feiernden Deutschen ins Schwärmen gerät.
So fieberten beim Halbfinalspiel gegen die Türkei über eine halbe Millionen Menschen am Brandenburger Tor und Millionen andere im ganzen Land mit Jogis Elf. Im Fernsehen erinnern die Jubelszenen auf den sogenannten „Fanmeilen“ stark an die Fernsehbilder der Widervereinigung, als ebenfalls Hunderttausende auf den Straßen feierten und sich das Land in ein einziges Fahnenmeer verwandelte.
Vielen läuft beim Gedanken an diese Szenen ein Gänsehautschauer über die Haut, andere hingegen bekommen beim Anblick der aktuellen deutschen Jubelbilder ganz andere Gefühle. So äußerte sich beispielsweise Claudia Jobst, „Jugendkoordinatorin“ der sächsischen Linkspartei, folgendermaßen über die schwarz – rot – goldene Euphorie: „Da läuft wieder der Deutsche an sich mit Fahne in der Hand durch die Gegend, da wird ein Bild von einem Land verkauft, in dem die Menschen gerne leben. Das kotzt uns an“ und weiter: „Deutschland ist ein Land, in dem die Menschen am Existenzminimum leben und in dem Rassismus herrscht“.
Als Fußballtrainer, würde man Frau Jobst aufgrund solcher haarsträubenden Fehlpässe und amateurhafter Spielverlagerung wohl auf die Auswechselbank verbannen, doch ist das phänomenale Eigentor was sie sich und ihrer antideutschen SED Nachfolgepartei damit geschossen hat, hoffentlich schon Strafe genug.
Spätestens die friedlichen Fanfeste der letzten Wochen, ob mit Türken, Spaniern oder Russen, haben gezeigt, daß dieser herrschende Rassismus wohl nur im Kopf von Frau Jobst existiert.
Es ist kaum anzunehmen, daß in irgendeinem anderen europäischen Land die multikulturellen Fanfeste mit tausenden Türken oder Fans anderer Nationen, so friedlich verlaufen wären wie in Deutschland.
Trotz allem, sind die Befürchtungen also wieder wahr geworden. Anstatt sich einfach über die tollen Leistungen der eigenen Mannschaft zu freuen und ausgelassen zu feiern, diskutiert man in Deutschland lieber über die Gefahren von zu ausgelassenem Patriotismus und mit dem erhobenen Zeigefinger wird auf die zwölf dunklen Jahre Deutscher Geschichte verweisen. Es kann eben der Bravste nicht im Frieden leben!
So muss sich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble doch ernsthaft in einer spätabendlichen Fernsehsendung Fragen stellen wie: „Wie gefährlich ist der überzogene Patriotismus für die innere Sicherheit und wie schnell wird aus Patriotismus, Nationalismus?“.
Beispiele wie dieses zeigen deutlich, daß die Deutschen auch fast 60 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik, noch immer kein normales Gefühl zur eigenen Identität entwickelt haben. So sollte es doch das normalste von der Welt sein, seine eigene Mannschaft bei einem sportlichen Turnier zu unterstützen. Doch schon hier wird wieder fleißig die Nationalismuskeule geschwungen und Stimmung gegen die eigenen Farben betrieben.
Dieses Verhalten kann ein normal denkender Mensch eigentlich sonst wirklich nur in einem (Sommer)-märchen vermuten. Doch leider ist dieses Märchen die bittere Realität. Und so werden nach der EM wieder die Fähnchen abmontiert, die Fahnen eingeholt, und die Trikots ausgezogen. So als wäre nichts gewesen – Bloß nicht auffallen, man könnte ja dem Nationalismus verfallen. Schon komisch diese Deutschen.
Erwähnt sein soll an dieser Stelle vielleicht nur, daß die schwarz –rot –goldene Fahne in der Schlosshofstrasse 96, das ganze Jahr über weht. Egal ob mit hupender Begeisterung während der EM oder mit Pfiffen und Beschimpfungen danach.
Wir haben glücklicherweise ein anderes Verhältnis zu „unserer“ Fahne als die meisten anderen Deutschen und doch würden wir uns wünschen, daß vielleicht der ein oder andere seine Fahne auch nach der EM am Fensterbrett oder am Auto wehen lässt.
Es ist keine Schande auf sein Land stolz zu sein, es ist eher eine Schande, dafür verurteilt und denunziert zu werden!
"Patriotismus und Weltoffenheit sind keine Gegensätze – sie bedingen einander!"
– Horst Köhler (CDU), Bundespräsident, Rede vom 23. Mai 2004