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Stammheim und kein Ende? …und was die Bielefelder Ideenwerkstatt damit zu tun hat!


Der berühmte Stammheim-Prozeß (1975 bis 1977). Welcher Bürger in Deutschland kennt ihn nicht? Spätestens seit dem Kinoerfolg „Baader-Meinhof-Komplex“ wurden die Themen RAF und Stammheim-Prozeß wieder stärker ins Licht der Öffentlichkeit geholt. Immer wieder im Hörsaal taucht das Buch in den Händen von Mitstudenten auf. Nicht zuletzt finden sich an deutschen Universitäten auch Strafrechtslehrer, die den Stammheim-Prozeß als die Wiedergeburt der leidenschaftlichen Strafverteidigung im Geiste der Weimarer Republik und ihrer Strafverteidiger-Ikonen Max Alsberg und Hans Litten sehen. Von historischen und politischen Seminaren zum Thema RAF ganz zu schweigen.

Auch aktuell gibt es wieder einen Stammheim-Prozeß und wieder geht es um die RAF: Um Verena Becker und ihre mutmaßliche Mittäterschaft am Mord an dem Generalbundesanwalt Siegfried Buback im Jahre 1977. 

Die RAF ist und bleibt ein Phänomen. Der regelrechte Mythos um die Baader-Meinhof-Gruppe und ihre immer brutaler agierenden Nachfolger speist sich aus einer kruden Mischung von Sympathie für ihre Ziele, Verständnis für ihre Methoden und der morbiden Faszination des Menschen für Gewalt und Sensationsmeldungen. Die RAF ist weit davon entfernt, ein einfaches Kapitel deutscher Geschichtsbücher zu werden. Wie immer, wenn Täter, Opfer und ihre Angehörigen sowie weitere Augenzeugen geschichtlicher Ereignisse noch leben.

Faszinierend ist bis heute, daß es kaum RAF-Aussteiger gibt. Erst recht keine, die öffentlich „über damals“ und „wie es wirklich war“ offen „plaudern“ (abgesehen von Peter-Jürgen Boock). Keine Distanzierungen, keine Reue. Im Gegenteil! Jahrelange, ja jahrzehntelange Haft wurde schweigend von den RAFlern hingenommen. Danach wartete so manche bürgerliche Karriere. Das beflügelt den Mythos RAF noch mehr. Trotz der Demontage und Verächtlichmachung sogenannter Sekundärtugenden, gerade auch durch das klassische Sympathieumfeld der RAF: Es scheint eine große Bewunderung in unserem Land dafür zu geben, wenn jemand seine eigenen Ideale um keinen Preis verrät.

Doch das ist nicht alles. In so manchem freigelassenen RAFler scheint das „alte Feuer“ nicht erloschen zu sein. Man denke nur an den kämpferischen Auftritt der RAF-Terroristin Inge Viett auf der 16. Rosa-Luxemburg-Konferenz Anfang 2011. Erschreckend? Wohl eher bewundernswert für das große, mittlerweile oft gutbürgerlich gewordene Sympathisantentum von einst und jetzt.     

Aber RAF, Baader-Meinhof-Komplex und Stammheim-Prozeß haben auch eine andere Seite: Die der Opfer und ihrer Hinterbliebenen. Wie mag sich ein Mensch fühlen, dessen nächster Angehöriger kaltblütig ermordet wurde und dessen Mörder (sofern sie überhaupt gefaßt wurden) keine Reue zeigen, kein Wort der Anteilnahme äußern?

Prof. Dr. Michael Buback ist einer dieser Angehörigen. Wie kein Zweiter hat er die Taten von damals bis heute immer wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Getrieben von der Suche nach Gewißheit, wer seinen Vater ermordet hat: Den damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback. Seine Ermordung ist der Anlaß des jetzigen Stammheim-Prozesses um die Mittäterschaft von Verena Becker.

Prof. Buback war in den letzten Jahren oft im deutschen Fernsehen zu sehen. Brisant sind seine Forschungsarbeiten insbesondere dadurch, daß seiner Ansicht nach der deutsche Verfassungsschutz schützende Hände über RAF-Mitglieder hielt und bis heute hält. Über RAFler, die Straftaten vermutlich bis hin zu Mordanschlägen begangen haben. Mit Duldung staatlicher Behörden? Mit Duldung einer staatlichen  Behörde, für die Michael Bubacks Vater Siegfried Buback eigentlich  alles andere als ein Feindbild hätte abgeben sollen?

Doch ist man durch Prof. Bubacks Fernsehbeiträge eigentlich gut informiert über sein Anliegen? Über seine Motivation, seine Thesen und seine Forschungsergebnisse? Soweit es um TV-Gesprächsrunden geht, definitiv nicht. Trotz zahlreicher Auftritte in den letzten Jahren. Er hat dies selbst bestätigt und kritisiert.

Im November 2009 berichtete Michael Buback bei der Burschenschaft Normannia-Nibelungen ausführlich über sein Anliegen im Rahmen der Bielefelder Ideenwerkstatt. Dabei machte Buback klar, daß seine zahlreichen Fernsehauftritte bisher gar nicht vermitteln konnten, was er wollte. Wenige plakative Sätze und gespieltes Mitleid: Auf dies sei er reduziert gewesen. Er bedankte sich daher für die Möglichkeit, in Bielefeld einmal vor einem größeren Publikum frei sprechen und auch diskutieren zu können, ohne daß geschnitten und auf wenige Sekunden zusammengekürzt werde.

Der Auftritt von Prof. Dr. Michael Buback wurde 2009 auf DVD festgehalten. Wer wissen möchte, warum es im Jahre 2011 wieder einen Stammheim-Prozeß wegen der RAF gibt, hat auf dieser DVD die Gelegenheit, sich ausführlich, unzensiert und vor allem aus erster Hand zu informieren. Der jetzige Stammheim-Prozeß ist das Ergebnis der nimmermüden Arbeit von Prof. Michael Buback. Diese wird auf der DVD zur Bielefelder Ideenwerkstatt 2009 in einmaliger Weise und ausgezeichneter Qualität dokumentiert.

Hervorzuheben wäre auf dieser DVD besonders zum Thema RAF zusätzlich der Auftritt von Klaus Rainer Röhl, dem Ex-Mann der RAF-Gründerin Ulrike Meinhof. Mit viel Witz und Hintergrundwissen beschreibt er die Gründerzeit der RAF und vor allem die Mentalität derer, die da für den Marxismus streiten wollten und selbst größte theoretische Defizite aufwiesen, wie insbesondere der kleinkriminelle Andreas Baader. Hervorzuheben ist aber auch Odfried Hepp: Der „geläuterte Rechtsterrorist“ der 1980er Jahre. Die Attentate seiner eigenen Terrorzelle, so gibt er auf der DVD zur Bielefelder Ideenwerkstatt zu Protokoll, seien erst durch die Anschläge der RAF inspiriert gewesen… und hatten nebenbei mit US-amerikanischen Soldaten die gleichen Anschlagsziele. (Ein Treppenwitz der Geschichte, daß diese „Rechtsterroristen“ über Jahrzehnte und bis heute noch als Säue durchs Dorf der „Antifa“-Presse  getrieben werden, obwohl deren nach wie vor glorifizierten RAF-Vorbilder diese Terroristen überhaupt erst zur eigenen Tat bewogen!)

Stammheim-Prozeß und kein Ende? Abzusehen ist es in der Tat nicht. Interessant wären vor allem die Verstrickungen von Verfassungsschutz und RAF. Hier könnte mancher Mythos kippen, sollte einmal herauskommen, daß die Terrorgemeinde doch nicht so fest verschworen, sondern durch Staatsspitzel zersetzt war. Aber werden wir das je erfahren?

Wer mehr über die historischen Hintergründe und ungeklärten Fragen des Jahres 2011 wissen möchte, ist mit der DVD der Bielefelder Ideenwerkstatt jedoch für den heutigen Erkenntnisstand zum Thema RAF bestens ausgestattet.

 

Die DVD "TERRORISMUS - Freiheitskampf, Fanatismus oder staatlich gelenkte Gewalt?" kann unter "Kontakt" direkt bei der Aktivitas bestellt werden.


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